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HAUSTIERE
Papagei
Die Kenntnis von Papageien ist seit
der Antike schriftlich überliefert. Am Hofe von Artaxerxes II hat
der Arzt Ctesias den Pflaumenkopfsittich beschrieben und vermerkt
das "Sprachvermögen" dieses Vogels. Papageien des Genus Psittacula
(Alexandersittiche) waren im alten Rom bekannt und als Luxusobjekt
beliebt. Wir finden sie auf Bodenmosaiken und als Wandschmuck. Mit
der Entdeckung der Neuen Welt im 15. und 16. Jahrhundert wurde der
Papageienhandel zum einträglichen Geschäft. Natürlich erkannte man,
dass es sich bei diesen Vögeln um die prachtvollen Verwandten des
Alexandersittichs handelte. Später, noch vor der tatsächlichen
Entdeckung Australiens findet man auf den Weltkarten schon eine
Psittacorum regio (Papageienland) in der Region der Terra
incognita australis (unbekannter, südlicher Kontinent, gemeint
war die Antarktis) eingezeichnet, die heute Australien einnimmt.
Heutzutage hat der Papageienhandel solche Ausmasse angenommen,
dass immer stärkere Kontrollen erforderlich sind. Dieses Geschäft
mit den wildgefangenen Papageien hat viele der Arten in die Gefahr
der Ausrottung gebracht, und nur mit sehr hohen Kosten und Mühen
kann versucht werden, das was übriggeblieben ist zu retten. Ein
wichtiger Schritt in diese Richtung ist das Washingtoner
Artenschutzabkommen. Aber solange die unterzeichnenden Länder diese
Regeln nicht umsetzen können oder wollen, bleibt es nur ein
Konzept. Die Ausrottung von Papageienarten genauso wie die
anderer Tierarten wird durch die grossflächige Zerstörung der
Lebensräume bewusst vorangetrieben, solange man damit Gewinne
erzielen kann.
wissenschaftlicher Name
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Die Papageienvögel,
Psittaciformes (Papageien, Lories, Kakadus,
Sittiche u.a.) stellen eine eigene Ordnung im Vogelreich dar.
Innerhalb der meisten Systematiken werden sie zwischen die
Tauben Columbiformes
und die Kuckucksvögel Cuculiformes gestellt. |
ursprüngliche Herkunft
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Fossile
Überreste von Vögeln sind selten und so kann die Entwicklung
der einzelnen Arten nur unvollständig zurückverfolgt werden.
Die grossen Unterschiede zwischen den einzelnen geographischen
Gruppen und das Fehlen von Bindegliedern zwischen den
einzelnen Familien lässt den Schluss zu, dass die Entwicklung
der Papageien bereits in der Frühgeschichte der Vögel begann.
Ein weiteres Argument ist die hohe Spezialisierung dieses
Vogeltyps. Die ältesten Überreste eines Papageis wurden in
Grossbritannien gefunden, und werden auf das frühe Eozän (vor
40 bis 50 Millionen Jahren) zurückdatiert. Aufgrund der
speziellen Form des gefundenen Fussgelenkes konnte dieser
Papagei als eine Art Keilschwanzsittich identifiziert werden.
Die Entwicklung der Papageien muss also noch viel früher
eingesetzt haben, möglicherweise in den zentralen Wäldern des
Urkontinentes Gondwana. Nachdem dieser Kontinent
auseinanderbrach, begannen die unterschiedlichen Entwicklungen
der amerikanischen, afro-asiatischen und austral-pazifischen
Arten. Während der Kontinentaldrift entwickelte sich dann die
Artenvielfalt, hervorgerufen durch klimatische Veränderungen,
Besetzung von freien ökologischen Nischen und Konkurrenzdruck
durch andere Lebewesen, wenn die Landmassen wieder
kollidierten. Man nimmt an, dass unter den heute
existierenden Papageienarten der Eulenpapagei (Kakapo) und
auch die Nestorpapageien (Kea, Kaka) aus Neuseeland die
urtümlichste Form dieser Vogelordnung darstellen. Heutzutage
sind Papageienvögel in sehr unterschiedlichen Lebensräumen
zuhause, vom heissen, tropischen Regenwald bis hin zur
antarktischen Klimazone, von Küstenregionien bis zu höchsten
Gebirgen oder abgelegenen kleinen pazifischen Inseln. Die
lange naturgeschichtliche Entwicklung der Papageien und ihre
Verbreitung über verschiedene Klimazonen hat auch zu einer
mehr oder weniger starken Anpassung bzw. Abhängigkeit der
Arten an die jeweilige Umwelt geführt, die ja auch
entsprechenden Veränderungen unterworfen war. Einige Arten
sind so stark spezialisiert, dass sie schon unter geringfügig
veränderten Umweltbedingungen in Freiheit nicht überleben
würden. Beispielsweise benötigt der Kakapo eine gewisse
Zusammensetzung der ihn umgebenden Vegetation, auch wenn nicht
alle Pflanzen von ihm verzehrt werden. Einer der Rabenkakadus
ist abhängig von ganz bestimmten Larven, die er aus der Rinde
von Eukalyptusbäumen zieht. Über die Spezialisierung der
Lories wurde schon an anderer Stelle berichtet. Man kann sich
denken, dass Eingriffe und Veränderungen in diese Biotope, sei
es durch völlige Zerstörung (z.B. Abholzung, menschliche
Ansiedlung) oder den "Import" einer biotopfremden Tierart die
Existenz dieser Spezialisten bedrohen. Es gibt aber auch
"kosmopolitische" Typen unter den Papageien, die über ein sehr
hohes Anpassungsvermögen verfügen und so von ihrer
eigentlichen ökologischen Heimat unabhängig zu sein scheinen.
So haben sich zum Beispiel freigelassene oder aus
Gefangenschaft entkommene Papageien des Genus Psittacula
(Alexandersittiche) oder aber auch div. Amazonenarten
erfolgreich in europäischen und nordamerikanischen
Grossstädten angesiedelt, obwohl Städte sicher nicht die
natürliche Umwelt dieser Vögel darstellen. Es sind aber nicht
diese künstlichen Lebensräume und Populationen für die
Erhaltung der Art notwendig, sondern die natürlichen, in denen
sich die Art entwickelt hat. |
Bild |
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Lebensweise |
Leben in großen Schwärmen. Starke
Paarbindung. meist Höhlenbrüter |
Körperbau |
Papageien gibt es in allen Formen und
Grössen, vom nur 8.5cm grossen Zwergpapagei bis hin zu den
grossen Aras, die eine Länge von einem Meter erreichen können.
In ihrem Gefieder zeigen sie farbenprächtige Mischungen von
rot, grün, blau und gelb wie z.B. beim Sonnensittich, oder
auch ein unauffälliges, eintöniges Schwarzbraun, mit dem sich
der Vasapapagei präsentiert.
Auffällig bei allen Papageien ist der
grosse Kopf mit dem kräftigen, gebogenen Schnabel, dessen
oberer Teil abwärts gebogen in einer scharfen Spitze endet,
während der Unterschnabel nach oben mit einer breiten,
abgeflachten Vorderseite endet, die in den Oberschnabel
eingepasst ist. Der Oberschnabel ist im Gegensatz zu den
meisten anderen Vögeln über ein sehr beweglichen Gelenk mit
dem Vorderkopf verbunden. Die spezielle Anordnung der Gelenke
und Schnabelmuskeln (scherenförmig gekreuzt) sorgt für eine
sehr grosse Beisskraft. Schnabel und Zunge zusammen bilden in
jedem Fall aber ein ausgezeichnetes Werkzeug, das nicht nur
zum Fressen, sondern auch zum Aushöhlen der Nistlöcher dient.
Ebenso kann es als "dritte Hand" beim Klettern und z.B. als
"Pinzette" verwendet werden, um irgendwelche Gegenstände auf
Geschmack und Essbarkeit zu untersuchen. Die Nasenlöcher
befinden sich an der Basis des Oberschnabels in einer nackten
oder auch je nach Art mehr oder weniger befiederten Wachshaut.
Ein weiteres, ganz typisches Merkmal der Papageien sind
die Füsse, bei denen zwei Zehen nach vorn und zwei Zehen nach
hinten gestellt sind. Die äusseren Zehen sind gegenüber den
inneren verlängert. Der aus dieser Zehenstellung resultierende
gute "Griff", das sehr bewegliche Fussgelenk und der Schnabel
machen aus dem Papagei einen exzellenten "dreihändigen"
Kletterer, der optimal an das Leben in Bäumen angepasst ist.
Die Füsse werden von den Papageien auch zum Halten, oder
besser Sichern von Nahrung benutzt.
Im Vergleich zu anderen Vögeln haben die
Papageien weniger, aber kräftigere Federn. Die Bürzeldrüse ist
mehr oder weniger zurückgebildet. Anstelle des in dieser Drüse
erzeugten Fettes zur Gefiederpflege haben die Papageien
spezielle Puderdunen entwickelt, die unter dem Deckgefieder
sitzen und an ihren Spitzen zu sehr feinem Staub zerfallen,
der das Gefieder pflegt und konserviert. Ganz allgemein finden
wir als weiteres typisches Kennzeichen 12 Schwanzfedern, deren
Form, Farbe und Länge zwischen den Arten stark variiert. Die
Färbung des Gefieders wird in Zusammenhang mit der
Lichtbrechung durch ein nur den Papageien eigenes Pigment
erzeugt. Obwohl manche Papageien schreiend bunt sind, bildet
das Gefieder meist eine ausgezeichnete Tarnung. Die grünen
Papageien sind im Blätterwald kaum auszumachen, eine Gruppe
bunter Lories tarnt sich als blühender Busch und der
kobaltblaue Hyacinthara wird im schattigen Wald nahezu
unsichtbar.
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Geschlechtsbestimmung |
In einigen Arten sind keine äusserlichen
Geschlechtsunterschiede zu erkennen, bei anderen dagegen, z.B.
den Edelpapageien, sind sie sehr auffällig. |
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Nachwuchs |
Mit nur sehr
wenigen Ausnahmen (Mönchssittich, Kakapo) sind die Papageien
Höhlenbrüter. Ihre Nisthöhlen finden sich je nach Art in alten
Baumhöhlen, Termitenbauten oder auch Löchern in weichen
Felswänden und Steilufern der Flüsse. Obwohl Papageien ja über
einen starken Schnabel verfügen, bevorzugen sie zumeist doch
"vorgefertigte" Höhlungen, die sie dann ihren Bedürfnissen
entsprechend umgestalten. Nestmaterial wird nicht immer
benötigt. Einigen Arten reichen die "Abfallprodukte des
Hausbaues", andere tragen zusätzliches Nestmaterial
lustigerweise zwischen ihr Gefieder gesteckt in die Nisthöhle.
Die Brutsaison ist mehr oder weniger fest definiert, und
auch abhängig von den jeweiligen Umweltbedingungen.
Typischerweise sind Papageieneier weiss, sie brauchen keine
Tarnmuster, wie die von Vögeln, die in offenen Nestern brüten.
Die Gelege können je nach Art von ein oder zwei (Kakapo) bis
zu acht und sogar mehr Eier (Touit u.a.) enthalten. Die Eier
sind in Relation zur Körpergrösse kNaoumidis als sonst im
Vogelreich. Hier spiegelt sich auch das Entwicklungsstadium
der Küken wieder, wenn sie schlüpfen. Wie bei den meisten
Höhlenbrütern sind die Küken beim Schlupf noch sehr wenig
entwickelt und brauchen relativ lange bis sie Nesthöhle
verlassen können. Eltern und Junge bleiben oft noch längere
Zeit zusammen, bis die Jungen selbständig sind. Ein besonderes
Verhalten zeigt hier der australische Rosakakadu, dessen Junge
sich in sog. Schulen sammeln, immer beaufsichtigt von ein paar
erwachsenen Tieren, während die Eltern auf Nahrungssuche
sind. |
Ernährung |
Die allgemeine Schnabelform variiert in
Abhängigkeit von der Ernährungsweise. Papageien, die sich von
hartschaligen Nüssen und Früchten ernähren zeigen breite,
massive Schnäbel, während diejenigen, die mehr nach Wurzeln
graben, schmalere verlängerte Schnabelformen haben. Die
breite, fleischige Zunge wird durch ein unter der Spitze
liegendes Hornplättchen verstärkt. Die Familie der Lories
zeigt hier die grösste Spezialisierung: Sie ernähren sich in
der Hauptsache von Nektar, Pollen und Blütenteilen. Ihr
Schnabel ist nicht so kräftig gebaut wie bei den anderen
Papageien, und die Zungenspitze trägt sog. Papillen, die beim
Fressen hevorgestreckt werden und wie ein Pinsel die mehr oder
weniger zähflüssige Nahrung aufnehmen. Papageienarten, die
sich am Boden ernähren, wie viele Australische Arten, halten
z.B. die samentragenden Gräser mit einem Fuss nieder, andere
halten Nüsse oder Früchte in einer Kralle damit nichts
hinunterfällt während sie in den Bäumen ihre Nahrung
aufnehmen. |
Verhalten |
Ausserhalb des Brutgeschäftes sind die
Papageien bis auf sehr wenige Ausnahmen (Kakapo) sehr
gesellige Vögel, die je nach Art in kleinen Gruppen oder sogar
grossen Schwärmen (mehrere tausend Individuen!) umherstreifen.
Innerhalb der Schwärme kennt möglicherweise jeder Vogel jeden
"persönlich", was dazu führen kann, dass Schwarmfremde, auch
wenn sie der gleichen Art angehören, abgewiesen oder sogar
getötet werden. Es kommt vor, dass ein Schwarm durchaus aus
verschiedenen Arten besteht, die die gleiche ökologische
Nische besetzen. Innerhalb der Schwärme ist eine gewisse
Rangabstufung wahrscheinlich. Die Paarbindung ist sehr
stark, meistens hält eine Papageienehe das ganze Leben, und
die Vögel "verloben" sich oft schon, wenn sie noch nicht
geschlechtsreif sind. Bei einigen Arten ist beobachtet worden,
dass ein Vogel an Kummer sterben kann, wenn er seinen Partner
verliert. Zumeist haben Papageien feste Plätze, an denen
sie die Nacht verbringen und davon getrennte Futterplätze.
Einige Arten legen sogar Entfernungen von mehr als 30 km
zwischen Rast- und Futterplatz zurück. Entsprechend kann bei
in Gefangenschaft gehaltenen Papageien beobachtet werden, dass
die Vögel früh morgens und am Abend ihre aktivste Phase haben.
Ausgesprochene Zugvögel gibt es unter Papageien nicht, einige
Arten bewohnen jedoch unterschiedliche Gebiete ihres
Lebensraumes in Ahängigkeit von der Jahreszeit oder dem
Nahrungsangebot.
Der im Vergleich zu anderen Vögeln recht
grosse Schädel bietet Raum für ein relativ zur Körpergrösse
grosses Gehirn. Anatomisch gesehen unterscheidet sich das
Vogelhirn sehr stark von dem der Säugetiere und damit auch von
dem des Menschen. Die Gehirnteile, die allg. beim Menschen als
"Sitz der Intelligenz" bezeichnet werden, sind beim Vogelhirn
nur rudimentär vorhanden. Um so erstaunlicher sind die
Intelligenzleistungen zu denen Papageien fähig sind. Vielen
Papageienhaltern sind der ausgeprägte Spieltrieb oder die
situationsbezogene Anwendung menschlicher Sprachelemente durch
ihre Vögel bekannt. Neben dieser bekannten Lernfähigkeit haben
Wissenschaftler nachgewiesen, dass zumindest Graupapageien in
der Lage sind, Eigenschaften bestimmter Gegenstände auf
andere, sogar unbekannte Gegenstände zu übertragen und dies
dann in einer artfremden Sprache (der menschlichen) auch
auszudrücken. D.h. sie sind fähig, gedankliche Abstraktionen
vorzunehmen. Aber wie in allen "intelligenten" Lebewesen ist
der individuelle Character sehr stark ausgeprägt. Während ein
Papagei den ganzen Tag "redet", oder irgendwelche Wörter
sofort nachspricht, kann ein anderer der gleichen Art dies
völlig verweigern. Papageien waren schon immer als
Haustiere beliebt. Durch ihren natürlichen Gesellschaftstrieb
gezwungen, schlossen sie sich dem Menschen an, nahmen ihn als
Ersatzpartner und waren so quasi die einzigen Vögel, die sich
auch "streicheln" liessen, denn die gegenseitige
Gefiederpflege ist Ausdruck der Paarbindung bei den Papageien.
Dazu kam die grosse Lernfähigkeit und das Verhalten
menschliche Laute nachzuahmen. |
Tipps für die Haltung
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Lebenserwartung:
Typ |
Jahre |
Wellensittich |
10 |
Sperlingspapageien |
15 |
Unzertrennliche |
20 |
Keilschwanzsittiche |
30 |
Alexandersittiche |
30 |
Grosse Aras |
35-40 |
Amazonen |
40-50 |
Grosse Kakadus |
60-75 |
Graupapageien |
60 | |
Quelle: http://www.papageien.org |